Mae Hong Son Loop - 4. Etappe
Auf Wiedersehen schönes Fern Resort.
Die vierte Etappe ging vorbei am Mae Surin Nationalpark und über eine weitere extreme kurvige Bergroute bis nach Mae Chaem am Fusse des Doi Inthanon. Und auf dieser Strecke wurden sie wieder sichtbar, die vielen Gegensätze in Thailand. Sämtliche Berge und Täler waren komplett kahl. Alles durch Brandrodung verbrannt. Nur vereinzelte, verkohlte Baumstümpfe schauten aus dem staubig trockenen Boden, in dem Rinder nach ein paar Grashalmen suchten. Ich stellte mir vor, wie die bald einsetzende Regenzeit für üble Erosionen sorgen muss, wenn dann der Boden so offen brach liegt. In einer anderen Saison ist diese Bergwelt von hellgrünen Reisfeldern und Sonnenblumen bedeckt.
In Mae Chaem war kaum eine Unterkunft zu finden. Das Navasoung Resort hat definitiv schon seine besten Zeiten gesehen. Die Pritschen in den eigentlich netten Bungalows in einer Gartenanlage, rochen nach besoffenen Rockern, die lt. des bauchigen norwegischen Besitzers am Abend zuvor, mit Palettenweise Chang gefeiert hatten. Aber ok für 19€ die Nacht wars erträglich und ich hatte ja mein Schlafsack-Inlay und Duftspray dabei. Den Abend genoss ich in einem öffentlichen Pavillion in einem einfachen Dorf in der Nähe, unter Palmen, an denen dicke Kokoksnüsse hingen. Auf einem Shemag als Picknickdecke, ass ich Wassermelone und beobachtete die Menschen bei ihrer Arbeit in den Feldern. Hinter mir einfachste Holzhäuser, an denen die Ernte zum trocknen hing.
Der nun folgende Tag war einer der absoluten Highlights der Reise.
In aller früh um sechs Uhr Morgens ging die Fahrt weit rauf auf den mit 2565 Metern höchsten Punkt Thailands, das Dach Thailands, den Doi Inthanon. Ein botanisches Naturwunder, in dem gleichnamigen Nationalpark. Die deutlich niedrigen Temperaturen, nur 6-15°C, führen dort zu einer völlig anderen Vegetation. Irgendwann durchstösst man den Nebel des Berges und bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel blickt man weit über den umliegenden Urwald, dessen Baumkronen sich in imposanten Wellen um den Berg legen.
An der Spitze des Berges, befindet sich das Thai National Observatory. Von dort aus windet sich ein Pfad über Holzstege durch den magischen Wald zu einem Schrein, in denen sich die letzten Überreste von Prinz Intha Witchayanon befinden, den Namensgeber des Berges, und siebter Chao Luang Regent von Chiang Mai (1870-1897).
Um diese Uhrzeit war kaum ein anderer Tourist anwesend und ich genoss auf einer Holzbank neben einem kleinen Kiosk einen heissen Kakao und mit Hühnchen gefüllte Pasteten.
Direkt unter dem Denkmal und der Spitze des Berges, startet der relativ kurze, steile Angkha-Nature-Trail durch den Wolken- und Sumpfwald.
Wie soll man es in Worte fassen. Es ist wie eine Wiege des Lebens. So stellt man sich den Jurassic Park vor.
Riesige Baumkronen und breite mit einer Vielfalt von Moosen und Farnen bewachsene Stämme. Verschlungenes Wurzelwerk und überall Lianen. Uralte zu Bäumen ausgewachsene Rhododendren, der Boden mit dem Sphagnum Moos bedeckt, einem lebendigen hellgrünen Teppich. Ein grosser dunkelblauer Waldmistkäfer durfte Modell stehen.
Noch ein Stückchen unterhalb des Gipfels befinden sich die zwei modernen Chedis, Phra Mahathat Napapon Phumsiri Chedi und der Napapon Phumsiri Chedi, erbaut zum jeweils 60. Geburtstag des Königs Bhumibol Adulyadej (Rama IX.), der im Jahre 2016 verstarb und seiner Königin Sirikit. Beide sind Urenkel des Königs Chulalongkorn (Rama V.).
Zwei durchaus kluge und grossherzige Herrscher Thailands, die sich stets für die Erhaltung und Pflege der Natur einsetzten, für royale Landwirtschaftsprojekte und zur Zurückdrängung des Opiumanbaus.
Sirikit ist seit 1965 Präsidentin des Roten Kreuzes in Thailand und errichtete 1979 mehrere Flüchtlingslager an der Grenze zu Kambodscha, als 40 Tsd. Khmer die Flucht vor der Schreckensherrschaft Pol Pots ergriffen. Ihr unermüdlicher Einsatz für die muslimische Minderheit im Süden Thailands, machte sie bei der dortigen Bevölkerung ausserordentlich beliebt. 2008 bezog Sirikit Stellung für die demokratische Allianz.
Der vom Haus Chakri vergeben Name Bhumibala Adulyadeja bedeutet auf Sanskrit, Stärke des Landes, unvergleichliche Kraft. Ein ganzes Volk trauerte zutiefst, als ihr König verstarb.
Der Chedi der Königin ist in leichtem violett gehalten. Der Chedi des Königs in braun. Umgeben sind beide Chedis von einem botanischen Garten mit einer sagenhaften Fülle von Blumen. Aussenherum der Blick über die Baumkronen des Urwalds, in der Ferne die Silhouette der Berge. In den Chedis befinden sich lebensgrosse Buddhastatuen aus Jade. Die Architektur wirkt wie zwei futuristische Raumschiffe aus Stargate, die an einem unwirklichen Ort gelandet sind. Die goldenen Spitzen der Chedis glänzten in der Sonne. Dieser Ort war dermassen ungewöhnlich und traumhaft, so dass er ein Hochgefühl erzeugt.
Und weiter ging der botanische Tag über einen kleinen Fussweg, vorbei an grossen runden Felsen, zum Siriphum Waterfall, in der Nähe der Royal Agricultural Station Inthanon. Unter Farnen so hoch wie Bäume, wird man wieder begleitet von einer Vielzahl an Schmetterlingen und ganzen Schmetterlingskolonien bis zum Wasserfall, der hoch vom Inthanon ins Tal stürzt.
Damit war der unvergessliche Mae Hong Son Loop beendet und es ging wieder zurück nach Chiang Mai. Nach fünf Tagen hatte ich gesehen, was ich sehen wollte von diesem Land. Die Landwirtschaft, den Dschungel und die Flora, die Menschen und ihre Kultur, das ursprüngliche Thailand, Geysiere und Tiere.





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